Lüften nach dem Rauchen reicht nicht
Wer glaubt, es würde reichen, nicht im Kinderzimmer zu rauchen und sonst zu lüften, irrt, so Umweltmediziner Manfred Neuberger
Österreichs Jugend ist nicht nur trauriger Spitzenreiter beim Einstiegsalter zum Tabakkonsum, auch ihr Umfeld nimmt leider herzlich wenig Rücksicht auf den Schutz der Jugend vor Passivrauch. Umfragen zufolge ist jeder vierte Jugendliche regelmäßig dem blauen Dunst ausgesetzt. In Ballungszentren wie Wien und Linz muss sogar fast jedes zweite Kind passiv rauchen.
"Dabei gibt es vom Schwangerschaftsrauchen bis zum Passivrauchen in der Kindheit Studien, die zeigen, dass später Schäden, wie Lernschwächen und Konzentrationsstörungen, ausgelöst werden können", sagt Univ.-Prof. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene an der MedUni Wien. "Kinderkrankheiten wie Asthma, Mittelohr- und Lungenentzündung verlaufen wesentlich schwerer in Raucherhaushalten. Kinder nehmen den Rauch über die Lunge ins Blut auf. Von dort kommen die Schadstoffe ins Gehirn und verursachen auch dort Schäden."
Neuberger warnt vor allem vor jeglicher Rauchbelastung in der Schwangerschaft: "Hier wird der Uterus zum kleinsten Raucherraum der Welt." Im schlimmsten Fall könne Passivrauch für Säuglinge sogar tödlich enden: Laut Neuberger tritt der plötzliche Säuglingstod wesentlich häufiger in Raucherhaushalten auf.
Wer glaubt, es würde reichen, nicht im Kinderzimmer zu rauchen und sonst brav zu lüften, der irrt: "Es gibt wissenschaftliche Belege, die gezeigt haben, dass es nicht genügt, nach dem Rauchen zu lüften. Die Karzinogene setzen sich auf den Oberflächen, Haut, Haaren, Kleidung und im Hausstaub fest", erklärt der Umweltmediziner. Das gilt auch für das Auto. Zu Hause zirkuliert der Rauch von einem Raum in den anderen. "Es ist daher ein Irrglaube, dass man in einem Zimmer rauchen kann und dass die anderen Räume unbelastet bleiben." Das lässt sich auch im Harn der Kinder nachweisen: Im Harn von Kleinkindern in Raucherhaushalten fand man 15,5 ng/ml des Nikotin-Abbauproduktes Kotinin. Wenn die Eltern weder zu Hause noch in Gegenwart der Kinder rauchten, fand man noch immer 2,3 ng/ml Harnkotinin. Im Vergleich dazu: Bei Kindern nichtrauchender Eltern fand man 0,3 ng/ml.
Bericht aus KURIER ONLINE















