Wie Kinder intelligenter werden
Die Psychologin Elfriede Wegricht erklärt, wie Gene, Umwelt und Eltern die geistigen Fähigkeiten von Kindern beeinflussen.
Es ist viel besser, Stärken hervorzuheben, als sich an Defiziten zu orientieren", sagt Univ.-Lekt. Elfriede Wegricht. Die Pädagogin und Psychologin mit Spezialgebiet Begabungsdiagnostik weiß, wie sich die Intelligenz bei Kindern entwickelt und was Eltern dazu beitragen können.
Welche Faktoren beeinflussen die Entwicklung des Gehirns?
Elfriede Wegricht: Gene programmieren den Ablauf der Entwicklung des Gehirns, sie sind kaum beeinflussbar. Umweltfaktoren prägen die Qualität der Entwicklung. Die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft, auch ihre Einstellung zum Kind, der Geburtsverlauf sowie das Miteinander in der Familie wirken sich auf die kognitive Entwicklung aus.
Bedeutet Gehirnentwicklung gleichzeitig Intelligenzentwicklung?
Ja. Es beginnt mit der Aktivierung des Gehirns im Mutterleib, führt über die Vernetzung von Nervenbahnen zu Größenwachstum und Gewichtszunahme des Gehirns. Erst nach der Pubertät sind die Areale vollständig vernetzt. Durch Üben und Strukturieren entstehen stabile Gedächtnisinhalte. Dieser Entwicklungsablauf ist bei jedem Kind ungefähr gleich, Potenziale sind individuell angelegt.
Wann ist die Intelligenzentwicklung abgeschlossen?
Nie. Lebenslanges Lernen bedeutet nicht nur Wissen anzuhäufen, sondern trägt auch zu einer höheren Intelligenz bei. Bei Kindern gibt es Zeitfenster für bestimmte Fertigkeiten. Sie sind ungefähr bei allen zum gleichen Zeitpunkt offen. Erfahrungen können aber auch nachgeholt werden.
Wie kann Intelligenz bei Kindern gefördert werden?
Die Qualität der frühen Erfahrungen wirkt sich entscheidend auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns aus. Die individuelle Förderung in der Familie und im Kindergarten ist ungeheuer wichtig. Das heißt zum Beispiel: auf Fragen eingehen, Interessen teilen und wecken, Angebote machen und Kinder bei deren Durchführung unterstützen. Die umfassende Förderung liegt im Herausfinden von Begabungs- und Interessensschwerpunkten.
Kann man Heranwachsende über-fördern?
Das Gehirn hat einen eingebauten Lehrer. Es sucht sich aus, was es zum gegebenen Zeitpunkt lernen und verarbeiten kann und will. Kinder werden nicht überfordert von Neuem. Sie suchen aus dem Angebot heraus, was sie momentan brauchen.
Was geschieht bei Unterforderung?
Unterforderung hat langfristige Auswirkungen auf die intellektuellen Fähigkeiten von Kindern. Sie kann zu Leitungsproblemen führen. Das Interesse an Angebotenem sinkt, Lerntechniken werden nicht weiterentwickelt. Unterforderung kann mitunter aggressives Verhalten zur Folge haben oder auch den Rückzug aus dem sozialen Umfeld.
Bei knapp 70 Prozent der Menschen liegt der IQ im Normalbereich. Wie lässt sich Hochbegabung feststellen, wie geistige Behinderung einstufen?
Man muss die Hinweise von Eltern und Lehrern ernst nehmen. Verifizieren können das nur Fachleute. Klinische Psychologen zum Beispiel arbeiten mit standardisierten Tests.
Welche Rolle spielt die Emotionale Intelligenz?
Es wird kaum beachtet, dass die emotionale Entwicklung des Kindes das bedeutende Fundament bildet, die Basis für jede andere Fähigkeit - auch für die geistige Fähigkeit. Dabei spielt in Wahrheit die emotionale Intelligenz der Kinder - also die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu erkennen und zu kontrollieren und die Gefühle anderer zu deuten und entsprechend zu reagieren, eine sehr viel entscheidendere Rolle für den späteren Erfolg als der Intelligenzquotient.
Was raten Sie Eltern, bei der Erziehung ihrer Kinder zu beherzigen?
Eltern sollen aktiv mit ihren Kindern leben, nicht nebenher. Sie sollen sie beachten und auf sie eingehen. Letztlich haben Eltern - so wie Erzieher und die Gesellschaft - die Macht, das Universum im Kopf eines Kindes zu formen und damit die Persönlichkeit, zu der es wird.
Externer Link zur Homepage von Frau Elfriede Wegricht: www.begabt.at
Bericht [Quellnachweis]: Artikel vom 05.02.2011 14:00 | KURIER ONLINE














