Die Crux am neuen Kindergartenplan
Staatssekretär Kurz will zwei Jahre Kindergarten-Pflicht, aber nicht für alle. Was fehlt, sind genügend Pädagogen und ausreichend Geld.
Die Regierung stellt 140 Millionen Euro für die Kindergärten zur Verfügung und überlegt die Einführung eines zweiten Gratis-Kindergartenjahres: Gleich zwei positive Nachrichten gab es gestern in Sachen Kinderbetreuung.
Alles bestens also? Leider nicht. Der Kindergarten ist und bleibt ein Spielplatz für politische Planspiele. Nicht alles, was notwendig wäre, wird auch umgesetzt. Es fehlt an Geld, es gibt zu wenig Betreuungsplätze und zu wenig Personal, außerdem sind die Kindergärten nach wie vor eher Betreuungseinrichtungen statt Bildungsstätten.
Wer muss in den Kindergarten gehen?
Alle Kinder müssen mindestens ein Jahr einen Kindergarten besuchen. Das heißt: Für fünfjährige Kinder besteht seit dem Vorjahr Kindergartenpflicht. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hat gestern vorgeschlagen, die Kindergarten-Pflicht auf zwei Jahre auszudehnen - allerdings nur für Kinder mit Sprachdefiziten.
Wozu zwei Jahre Kindergartenpflicht?
Kurz will damit jene Kinder erreichen, die schlecht Deutsch können und dadurch auch in der Schule Schwierigkeiten haben. Laut Experten reicht ein Jahr im Kindergarten nicht, um ausreichend Deutsch zu lernen. Nach den Vorstellungen des Integrationsstaatssekretärs sollten Kinder mit rund dreieinhalb Jahren zu einem Schnuppertag im Kindergarten eingeladen werden. Dabei soll festgestellt werden, ob sie über Grundkenntnisse der Deutschen Sprache verfügen. Ist das nicht der Fall, müssen sie mit vier Jahren einen Kindergarten besuchen. Für alle anderen soll der Kindergartenbesuch vor Fünf freiwillig bleiben. Kanzler und Vizekanzler loben den Vorschlag. die Finanzierung ist allerdings offen.
Wer muss für den Kindergarten zahlen, wer nicht?
Für Fünfjährige ist der Kindergarten in ganz Österreich gratis. Kurz schlägt vor, dass es künftig zwei Gratis-Kindergartenjahre geben soll - also für alle ab Vier (auch für jene, für die keine Kindergartenpflicht besteht). Derzeit gibt es in allen Bundesländern unterschiedliche Regelungen (siehe Grafik) . In der Steiermark, Kärnten, Salzburg, Vorarlberg ist der Kindergarten für Vierjährige kostenpflichtig.
Wer finanziert die Kindergärten?
Zuständig sind die Länder und Gemeinden. Diese stöhnen unter der ständig steigenden Finanzlast durch die Kinderbetreuung. Am Gratis-Kindergartenjahr beteiligt sich der Bund mit 70 Mio. € pro Jahr. Gestern wurden im Ministerrat die Zuschüsse für 2012 und 2013 beschlossen - insgesamt 140 Mio. €. Außerdem fördert der Bund den Ausbau der Kindergärten mit jährlich 15 Mio. €.
Gibt es genug Pädagoginnen?
Nein. Nach Schätzungen des Berufsverbandes fehlen 1500 bis 2000 Fachkräfte. Grund dafür ist nicht nur die schlechte Bezahlung, sondern auch der Umstand, dass Interessenten die Ausbildung mit 14 beginnen und mit 19 Jahren mit Matura abschließen. Viele stellen nach der Matura fest, dass sie sich die Praxis (Anforderungen der Kinder, Umgang mit Eltern etc.) noch nicht zutrauen und beginnen nicht zu arbeiten. Das ist der Grund, warum das Bildungsministerium derzeit an einer Reform der Ausbildung in Richtung Hochschulausbildung arbeitet.
Wozu gibt es den Bildungsplan?
Dieser Plan orientiert sich an Forschungsergebnissen, wonach die frühe Förderung und Bildung der Kinder maßgebliches Element der späteren Bildungskarriere ist. Der Bildungsplan ist kein Lehrplan, sondern vielmehr eine Anleitung dafür, wie Kinder im Kindergarten bestmöglich gefördert werden. Weil die Kinderbetreuungseinrichtungen in die Kompetenz der Länder fallen, konnte der Bund nur den Rahmen für den Plan vorgeben. An eine Evaluierung des Bundes und damit eine Erhebung, wie der Plan umgesetzt wird, ist mangels Kompetenz nicht gedacht.
Artikel vom 15.06.2011 16:00 | KURIER | Patricia Haller, Magdalena Rauscher-Weber
















