Papa-Monat statt Vatertag

Trend: Immer mehr Jung-Väter können Sonderurlaub nehmen. Ministerin Heinisch-Hosek will, dass alle Neo-Papas ein Recht darauf haben.
Als Andreas Erlacher seinen Sohn Constantin ein paar Tage nach der Geburt im Spital wickelt, löst sich der Nabelschnurrest. Der Wiener ruft nach der Schwester, weil er möchte, dass sie schaut, ob alles passt. Plötzlich läuft das ganze Stationspersonal zusammen. Der Vater hat den Alarmknopf erwischt.
Das ist aber der einzige Lapsus, der passiert ist, seit Constantin (4 Monate) auf der Welt ist. Als das KURIER-Team die Familie in Wien-Döbling besucht, wechselt Erlacher professionell die Windel des Nachwuchses. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Schließlich war der 42-Jährige am Anfang Tag und Nacht im Einsatz. Der Microsoft-Manager hat Papa-Wochen genommen - ein bezahlter Sonderurlaub, den das Unternehmen Vätern seit Kurzem gewährt.
Andreas Schaller hat den Papa-Monat - vier Wochen unbezahlter Urlaub - genutzt, den es seit Jahresbeginn für Bundesbedienstete gibt. Und Dominik Pezenka hatte bei der Arbeiterkammer die Möglichkeit, vier Wochen bezahlten Urlaub zu konsumieren.
Tendenz
Immer mehr Institutionen und Firmen bieten ihren Mitarbeitern einen Sonderurlaub - quasi Papa-Monat statt Vatertag. "Davon profitieren die Kinder, die Väter und die Mütter", sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Jene Väter, die der KURIER befragt hat, sehen das genauso.
Derzeit gibt es unterschiedlichste Formen des Papa-Monats. ÖGB und AK gewähren etwa vier Wochen bezahlten Sonderurlaub. Vier Wochen, unbezahlt, gibt es für Bedienstete des Landes Oberösterreich. Ähnliche Regelungen finden sich in einigen Kollektivverträgen.
Wunsch
Heinisch-Hosek wünscht sich, dass "alle Väter einen Rechtsanspruch auf einen Papa-Monat bekommen". Nicht nur, weil es die Bindung zwischen Vater und Kind fördert und der Beziehung der Eltern gut tut, sondern auch, "weil es Lust auf mehr machen soll, also der Einstieg in die Karenz sein kann" - und damit Müttern ermöglicht, rascher in den Beruf zurückzukehren.
Nun gilt es die ÖVP, allen voran Wirtschaftsminister Mitterlehner, von der Idee zu überzeugen. Heinisch-Hosek: "Das werde ich in den nächsten Wochen tun." Die Ressortchefin möchte, dass der Papa-Monat bezahlt wird. Kann man das der Wirtschaft zumuten? "Ja, weil es die Firmen und das Budget nicht außertourlich belasten würde." Wie soll das gehen? Heinisch-Hosek möchte das Kindergeld dafür heranziehen. Das heißt, dass die Väter nach der Geburt ein Monat in Karenz gehen und in dieser Zeit Kindergeld beziehen (bis zu 2000 Euro/Monat). "Das Geld dafür ist vorhanden", sagt die Ministerin. Schließlich sei das Ziel "20 Prozent aller Väter in Karenz" noch lange nicht erreicht. Derzeit sind es nur fünf Prozent.
Andreas Schaller & Lumi, 2 Monate
Seit 1. Jänner 2011 haben die rund 85.000 im öffentlichen Dienst beschäftigten Männer einen Rechtsanspruch auf einen Papa-Monat. Andreas Schaller war einer der Ersten, der die vier Wochen unbezahlten Sonderurlaub in Anspruch genommen hat. Ende März ist seine Tochter Lumi zur Welt gekommen. "Es war für mich klar, dass ich die Möglichkeit des Papa-Monats nutzen werde", sagt der 39-jährige Wiener. "Ich war nach der Geburt meines Sohnes, der heute zwei Jahre alt ist, auch drei Wochen auf Urlaub und fünf Monate in Karenz." Den Papa-Monat hat er positiv erlebt. "Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt hat man so viel zu tun."
Abgesehen von Amtswegen, die zu erledigen waren, konnte der Akademiker seinen Sohn Tapio betreuen, während Frau und Tochter noch im Spital waren. "Außerdem ist es für die emotionale Bindung zwischen Vater und Kind gut, wenn man beim ersten Baden und Wickeln dabei ist." 2012 möchte Schaller, der als Referent im Sozialministerium tätig ist, in Karenz gehen, "weil meine Frau dann wieder arbeiten gehen kann, weil es das gegenseitige Verständnis fördert, und weil meine Tochter spüren soll, dass da zwei gleichwertige Elternteile da sind". Wie reagiert das berufliche Umfeld auf Papa-Monat und Karenz? "Positiv, weil es im Sozialministerium viel Verständnis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt."
Dominik Pezenka & Frida, 1 ¾ Jahre
Als Dominik Pezenka vom Papa-Monat der Arbeiterkammer hörte, musste er nicht lange überlegen: "Für mich war sowieso von Anfang an klar, dass ich auch in Karenz gehen will." Also nahm der 31-Jährige nach der Geburt von Tochter Frida im Herbst 2009 die vier Wochen bezahlten Sonderurlaub, die die AK ihren Mitarbeitern anbietet. "Hätte es den Papamonat nicht gegeben, hätte ich Urlaub genommen", sagt Pezenka. "Aber es ist schon ein großer Unterschied, ob man sich ein oder zwei Wochen Urlaub nimmt - oder ob man vier Wochen Zeit hat, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen."
Gerade beim ersten Kind sei es eine "180-Grad-Kehrtwende, die man zu bewerkstelligen hat. Da ist es extrem wichtig, dass beide Elternteile da sind." Primär habe er sich in dieser Zeit um die Unterstützung der Mutter gekümmert, "das muss das erste Argument für einen Papa-Monat sein. Der Bezug des Vaters zum Kind ist da fast ein schöner Nebeneffekt." Die Beziehung zu Frida hat er in den acht Monaten Karenz, die im Februar endeten, vertieft. Pezenka ist "100 Prozent sicher, dass ein Papamonat für alle die Karenzquote bei den Männern erhöhen würde". Aus einem einfachen Grund: "Wenn man die Chance hat, die ersten Wochen mit Kind und Mutter zu verbringen, kriegt man Lust auf mehr von dieser aufregenden und schönen Zeit", sagt Pezenka. "Da würde es jedem schwerfallen, nachher nicht in Karenz zu gehen."
Andreas Erlacher & Constantin, 4 M.
Microsoft Österreich gilt als äußerst familienfreundlicher Arbeitgeber. Das Unternehmen wurde mehrfach ausgezeichnet. Eltern, die in Karenz gehen, können ihre Laptops und Handys behalten. Um mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu bleiben, gibt es regelmäßige Treffen. Seit Kurzem gibt es ein neues "Zuckerl": Väter können nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlten Sonderurlaub nehmen.
Andreas Erlacher (42) kam das gelegen. Seine Frau hatte einen Kaiserschnitt und eine Schwangerschaftsvergiftung. Der Microsoft-Manager aus Wien war praktisch Tag und Nacht im Spital, um sich um seinen Sohn Constantin (heute 4 Monate) zu kümmern. "Es war stressig, aber es war eine tolle Erfahrung. Gerade die erste Zeit ist sehr interessant und lehrreich." Auch daheim war die Unterstützung des Vaters wichtig - schließlich brauchte auch Constantins Schwester (10) Aufmerksamkeit. "Wenn man kocht und plötzlich das Kind weint, hätte man am liebsten sechs Hände und sechs Füße. Manchmal ist es eine exorbitante Belastung", sagt Erlacher. Was haben die Papa-Wochen gebracht? "Man wird rücksichtsvoller und geduldiger. Wenn man sich verspätet, weil das Kind gerade in die Hose gemacht hat, stresst man sich nicht mehr." Seine Conclusio: "Ich kann es nur jedem empfehlen. Es ist eine irrsinnig wertvolle Zeit."
Aus Kurier Online -c-














