Öffentliche Kindergärten: Fachkräfte gesucht
Wegen Personalmangels müssen Assistentinnen ohne pädagogische Ausbildung die Betreuung von Kindern übernehmen.
Gerade in den ersten Lebensjahren machen Kinder bedeutende Entwicklungsphasen durch", betont Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) gerne. Deshalb sei die Arbeit der Kindergartenpädagoginnen nicht hoch genug einzuschätzen. Dumm nur, wenn es wie in Wien viel zu wenige Pädagoginnen mit einer fünfjährigen Fachausbildung gibt. Daher müssen in der Praxis oft die Kindergartenassistentinnen die Betreuung der Gruppen übernehmen. Sie verfügen über keine spezielle Ausbildung, sind sie doch eigentlich für hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie etwa die Essenszubereitung oder das Wickeln der Kinder verantwortlich. "Ich will ihre Leistung nicht schmälern, doch eine Gruppe zu leiten, bedeutet mehr, als mit den Kindern ein bisschen zu singen und zu spielen", ärgert sich Marilies Vogt. Ihr Enkel ist seit September in der Kinderkrippe des Campus Monte Laa, der von der Stadt gerne als richtungweisendes Bildungsprojekt präsentiert wird.
Aufbauarbeit
Doch auch die Gruppe des Dreijährigen wird seit Monaten von Assistentinnen betreut, nachdem die zuständige Pädagogin ausfiel. "Dabei geht es in diesem Alter um pädagogische Aufbauarbeit, zum Beispiel um die Sprachentwicklung. Das können die Assistentinnen nicht leisten. Ansonsten könnte man sich ja gleich die fünfjährige Ausbildung sparen", sagt Vogt.
Ihr Problem ist bei Weitem kein Einzelfall: "Wir kennen es aus vielen Kindergärten", sagt Raphaela Keller vom Dachverband der Kindergarten- und Hortpädagoginnen. Sie schätzt, dass allein in Wien rund 600 Pädagoginnen fehlen.
Nach der Ausbildung würden nur etwa 30 bis 60 Prozent tatsächlich in den Beruf einsteigen, was nicht zuletzt mit der geringen Bezahlung zu tun habe. "Und die, die bleiben, sind dann bald ausgebrannt." Die Folge sind nicht selten Langzeit-Krankenstände, die die Personalnot noch verstärken.
"Wir haben leider ein Ressourcenproblem", bestätigt man im Büro von Stadtrat Oxonitsch. Jahrelang habe sich der Kindergarten-Ausbau wegen der Streichung der Bundesmittel verzögert. Jetzt sei man in einem Aufholprozess. Immerhin: Noch in diesem Frühjahr sollen 87 Pädagoginnen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. "Ein Tropfen auf dem heißen Stein", kommentiert Keller.
Und auch Vogt bleibt skeptisch: "Ich hab schon fast Schuldgefühle, dass ich meiner Tochter einen städtischen Kindergarten empfohlen habe. Doch ich war mir sicher, dass dort die pädagogische Betreuung gewährleistet ist."
Artikel vom 19.05.2011 18:00 | KURIER | Josef Gebhard














