Österreichs Mütter tun sich mit der frühen Fremdbetreuung ihrer Sprösslinge nach wie vor sehr schwer. Wien (do). Österreich zählt in punkto Kinderbetreuung zu den Traditionalisten in Europa. Was in Belgien oder Frankreich gang und gäbe ist – Kinder schon ab dem fünften Lebensmonat in die Krippe zu geben –, lässt die meisten heimischen Mutterherzen bluten. Daran hat auch die bereits seit geraumer Zeit intensiv geführte Diskussion über mehr und bessere Krippen- und Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren nur wenig geändert. Studien beweisen: Die Mehrheit der österreichischen Mütter möchte länger beim Kind zu Hause bleiben: nämlich drei Jahre.
Nicht weniger als 76 Prozent erklärten in einer 2007 fertig gestellten Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), dass sie ihr Kind nicht vor dem Alter von drei Jahren einer externen Betreuungseinrichtung überlassen würden – sei diese Krippe, Kleinkindgruppe oder Tagesmutter. Die magische „Drei-Jahres-Grenze hat für die meisten der interviewten Personen nach wie vor Gültigkeit“, schließen die Autoren der Studien, Olaf Kapella und Christiane Rille-Pfeiffer. Erst ab einem Alter zwischen drei und vier Jahren steht wenigstens knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) dem Kindergarten grundsätzlich positiv gegenüber – mit dem Argument, dass diese Erfahrung für die Sozialkompetenz des Kindes von großer Bedeutung ist.
Ist es dennoch notwendig, für ein Kind unter eineinhalb Jahren eine andere Betreuungsperson als die Mutter zu finden, so stehen mit Abstand nahe Verwandte ganz oben auf der Wunschliste.
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Papa, Oma, Opa bevorzugt
90 Prozent halten den Vater für die beste Alternative, 83 Prozent die Großmutter. Deutlich abgeschlagen folgen mit 65 Prozent der Großvater und mit 50 Prozent weibliche Anverwandte.
Die hohe Akzeptanz von Vater und Großmutter zeigt aber eine wichtige Veränderung. Obwohl 72 Prozent meinen, dass eine „gute Mutter“ möglichst viel Zeit mit ihrem Kind verbringen sollte, glauben fast ebenso viele Eltern, dass andere Personen in die Betreuung des Kindes miteinbezogen werden sollen. Die Mutter gilt nicht mehr als die einzig mögliche und beste Bezugsperson.
Die klare Präferenz der österreichischen Mütter, möglichst lange beim Kind zu Hause zu bleiben, spiegelt sich in der Einstellung der Gesellschaft zur Berufstätigkeit wider. In der Studie des ÖIF beurteilt jeder Zweite die Erwerbstätigkeit von Mütter mit Kleinkindern negativ.
67 Prozent für Hausfrau/Mutter
Noch deutlicher tritt dieser Trend in einer Umfrage zutage, die vom Informationsdienst Soziale Indikatoren durchgeführt wurde. Darin erklärten 67 Prozent der Österreicher, dass die Frau idealerweise zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern sollte, während der Mann arbeitet. Damit liegen die Österreicher nicht nur weit hinter Ländern, in denen die Fremdbetreuung von Kleinkindern gesellschaftlich wesentlich akzeptierter ist – wie Dänemark (Zustimmung nur 18%), Schweden (31%), Frankreich (32%) und Belgien (35%) –, sondern auch klar hinter dem Durchschnitt der „alten“ EU-Staaten (46%).
Bericht aus der Presse: 15.06.2008 | 19:04 | (Die Presse) |