Aktive Papas sind immer williger, aber leicht wird's ihnen nicht gemacht. Markus war 30, als seine zweite Tochter geboren wurde. Nachdem er beim ersten Kind voll berufstätig geblieben war und das Gefühl hatte, viel von dessen Entwicklung versäumt zu haben, eröffnete er seinem Chef, dass er diesmal gern von seinem Recht auf Väterkarenz Gebrauch machen wollte. Die Antwort war ein Wutausbruch. Ein tobender Vorgesetzter teilte Markus mit, dass er ihn zwar nicht daran hindern könnte, dass dieser sich aber anschließend bei erster Gelegenheit von seinem Job verabschieden dürfe.
Markus ließ sich damals nicht einschüchtern, ging in Karenz und wurde für seinen Mut sogar „belohnt“: Nicht er wurde ins Ausgedinge geschickt, den Chef gab es bei Markus' Rückkehr nicht mehr.
Vom Weichei zum Vorbild
Fälle wie Markus werden heute immer seltener. Langsam aber doch werden die „neuen Väter“ gesellschaftsfähig. Früher als Weicheier belächelt, gehören sie heute zu den Darlings vieler Medien, die schwärmerisch von coolen Papa-Zirkeln berichten, in denen schmutzige Windeln und Schulschwierigkeiten ebenso selbstverständlicher Gesprächsstoff sind wie Fußball oder Musik.
Dazu kommt, dass die Wissenschaft immer selbstbewusster die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes propagiert – und damit auch bei einem Publikum ankommt, das diese Ansichten vor zehn Jahren noch unter „erzkonservativ bis reaktionär“ schubladisiert hätte.
Bei allen Fortschritten klaffen Schein und Wirklichkeit jedoch noch immer recht weit auseinander. Warum das so ist, versucht die „Väterkonferenz“ des Sozialministeriums zu beantworten, die, heute, Montag in Wien stattfindet.
Auf der Suche nach den Gründen, warum für viele Väter der Wunsch, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, unerfüllt bleibt, muss man nicht in die Ferne schweifen. Denn eine Erklärung sind die Männer selbst und das Bild, das sie nach wie vor von Vaterschaft haben. Eine Untersuchung des Österreichischen Instituts für Familienforschung kam zu dem Schluss, dass auch Männer, die sich als „neue Väter“ empfinden, sich eher als Bezugs- denn als Betreuungsperson sehen. Das heißt: Sie kümmern sich liebend gern in der Zeit um die Kinder, die neben dem Job bleibt, sie sorgen am Wochenende und im Urlaub für Spiel und Spaß. Für eine Vollzeit-Betreuung entscheiden sich hingegen nur die wenigsten. 95 Prozent der Väter unterbrechen die eigene Erwerbstätigkeit nicht. Im Jänner 2008 wurden in Österreich nur knapp vier Prozent des Kindergeldes von Vätern bezogen. Die rechtlich verankerte Elternteilzeit bis zum 7. Lebensjahr des Kindes wird zu 86 Prozent von Frauen und nur zu 14 Prozent von Männern in Anspruch genommen.
Manuela Vollmann vom Verein abz (Arbeit, Bildung, Zukunft) erklärt das damit, dass „ein wirklicher Rollenwandel Jahrzehnte dauert“ und Familienbilder in Österreich „noch immer sehr traditionell gelebt werden“.  Foto: Die Presse (Clemens Fabry)
Defensive Frauen
In dieser Tradition sind aber auch die Frauen gefangen. Obwohl viele Mütter in der Theorie das gleichberechtigte Engagement des Partners bei Betreuung und Erziehung der Kinder befürworten, können sie sehr defensiv reagieren, wenn sie das Gefühl haben, ihre „Kernkompetenzen“ beim Thema „was ist gut für unser Kind“ könnten ausgehöhlt werden. Zu diesem Schluss kamen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger vom Frankfurter Institut für Sozialforschung in einer Väterstudie.
Eine andere Hürde sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen eine Familie die Betreuung der Kinder managen muss. „Einkommen ist ein zentrales Thema“, sagt Vollmann, deren Verein sich für ein einkommensabhängiges Karenzgeld einsetzt. „In Deutschland, wo das eingeführt wurde, stieg der Männeranteil rapide an“, meint sie.
Von einem stärkeren Engagement der Väter würden aber nicht nur die Kinder profitieren. Männer lernen dadurch, dass man gleichzeitig stark und fürsorglich sein kann. Und sie erwerben Respekt dafür, wie intensiv Familienarbeit ist. Mit überraschenden Nebeneffekten: So mancher Vater meinte nach der Karenz, nie habe er mehr über Management gelernt, als daheim bei seinen Kindern.
Bericht aus die Presse: 22.06.2008 | 18:51 | DORIS KRAUS (Die Presse) |