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Anders ZähneputzenÄltere Kinder kann man dazu animieren, sich während des Zähneputzens ca. 30 Mal auf die Zehenspitzen zu stellen. Spielerisch kann man Kinder zu einem unbewussten, ensomotrischen Training verhelfen. Ein Aerostep (www.triaflex.at/aerostep/) vor dem Waschbecken (ab 6 Jahre - am Anfang natürlich mit Hilfestellung!!!) macht das abendliche „Zu- Bettgeh- Ritual“ spannend.
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Das Familienmodell im 21. Jahrhudert | |
| Das Familienmodell im 21. Jahrhudert |
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Das 21. Jahrhundert kann mit dem Familienmodell des 19. Jahrhunderts wenig anfangen, sagt Professor Wassilios Fthenakis. Will die Gesellschaft erfolgreiche Familien, muss sie Eltern helfen, ihre Ideen umzusetzen [Interview mit Wassilos Fthenakis).Die Presse: Die traditionellen Familienstrukturen lösen sich zunehmend auf, es gibt immer mehr Alleinerzieher, Patchwork-Familien usw.. Wie problematisch ist das für die Gesellschaft? Wassilios Fthenakis: Die Familie als Institution ist auf der Logik der Industriegesellschaft und der Errichtung der Nationalstaaten Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebaut. Damals wurde die Familie Institution und als solche die Keimzelle der Gesellschaft. Weil die wirtschaftliche Entwicklung Arbeitskräfte brauchte, hat man die Männer, die bis dahin die zentrale Einheit im Familienverband gebildet hatten, veranlasst, in den Erwerb zu gehen. Mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 60 Stunden pro Woche blieben sie der Familie fern, und von da aus traditionalisierten sich die Rollen. Das heißt: Die Familie als Institution reagiert immer auf wirtschaftliche, politische und kulturelle Veränderungen. Wenn wir die Familie heute betrachten, ist sie die erste Institution, die auf große makrosoziale Wandlungsprozesse reagiert hat. Zu ihrem Vorteil oder zu ihrem Nachteil? Fthenakis: Europaweit sind heute nur mehr 15 Prozent der Bevölkerung im klassischen industriellen Sektor tätig, der Rest arbeitet in Prozessen, die völlig andere Anforderungen an das Individuum und an die Familie stellen. Die Familie reagierte darauf – und zwar mit der Pluralisierung der Familienformen. Eine Gesellschaft, die selbst plural geworden ist, mit einem hohen Ausmaß an kultureller Diversität, an sozialer Komplexität, an Mobilität, kann nicht mit einem statischen Familienmodell des 19. Jahrhunderts auskommen. Ich sehe in der Wandlungsfähigkeit der Familie ihre Chance, zu überleben. Viele Leute tun sich aber relativ schwer mit diesen neuen pluralen Formen. Untergraben diese die Stabilität der Gesellschaft? Fthenakis: Im Gegenteil. Wir finden in unterschiedlichen Familiensystemen keine unterschiedlichen Wertesysteme. Alle Studien belegen, dass die Menschen von heute am liebsten eine dauerhafte Partnerschaft, eine Familie, auch Kinder wollen. Wir wissen, dass das partnerschaftliche Zusammenleben das dominante Modell junger Paare ist. Wir wissen aus großen Studien in Deutschland, dass die Väter in ihrer absoluten Mehrheit ein Vaterschaftskonzept wollen, das der sozialen Vaterschaft folgt, nicht der alten Brotverdiener-funktion. Dass diese guten Konzepte nicht umgesetzt werden, hängt nicht mit den Menschen zusammen, sondern scheitert am System. Und zwar sofort, wenn das erste Kind aus der Klinik nach Hause gebracht wird. Dann beginnt ein Erosionsprozess, den wir in der zehnjährigen LBS-Familienstudie in Deutschland sehr schön nachgewiesen haben. ![]() Können Sie die Etappen dieses Erosionsprozesses beschreiben? Fthenakis: Kommt das Kind aus der Klinik nach Hause, verändern sich alle Parameter des Familiensystems. Die bislang erwerbstätige Mutter muss zu Hause bleiben – oft deshalb, weil der Mann das höhere Einkommen hat. Diese Veränderung in den beruflichen Rollen führt auch zu einer Veränderung in der Verteilung der Aufgaben rund um Haushalt und Kind. Während die Paare bis dahin alles gemeinsam gemacht haben, versucht haben, die Gemeinsamkeiten zu maximieren, werden die Rollen nach der Geburt des Kindes traditionalisiert und das Familiensystem wieder zur Logik des 19. Jahrhunderts zurückgeführt. Wie manifestiert sich das? Fthenakis: Indem sich die Qualität der Partnerschaft schleichend verändert: Die Kommunikation geht „nach unten“ – zum oder über das Kind –, aber Mann und Frau sprechen kaum mehr miteinander, geschweige denn diskutieren sie über Probleme in der Partnerschaft. Zärtlichkeit und Sexualität werden beeinträchtigt. Gleichzeitig steigen die Partnerschaftskonflikte an. Dieser Erosionsprozess erfasst das gesamte Familiensystem. 80 Prozent der Paare nehmen eine Beeinträchtigung ihrer Partnerschaft wahr. Die Hälfte davon geht zu Gericht (lässt sich scheiden, Anm.), die andere Hälfte bleibt trotz vergleichbarer Belastung schön im Konflikt vereint. Woran liegt es, ob man zusammenbleibt oder nicht? Fthenakis: Am Bewertungssystem. Angesichts der Belastungen geht bei der Frau die Kurve der Zufriedenheit nach unten. Dies ist aber kein Anlass, die Familie zu verlassen. Diese Entscheidung hängt erst von der Bewertung des Mannes ab. Wenn dieser die Arbeit seiner Frau nicht anerkennt, nicht schätzt, steigt die Kurve der Unzufriedenheit steil – und das kann den Ausschlag geben. Wenn der Mann seiner Frau hingegen zeigt, wie großartig sie alles organisiert und unter einen Hut bringt, dann wird die Belastung neutralisiert. Sind Familienformen wie Alleinerzieher oder Patchwork schlechter? Gehen daraus Kinder hervor, die anfälliger für Störungen sind? Fthenakis: Die Form der Familie ist nicht relevant für die Entwicklung des Kindes. Es kommt viel mehr auf die familialen Prozesse an. Wir wissen aber, dass die Instabilität von Patchwork-Familien größer ist als die von Erst-Ehen. Deshalb ist auch die Scheidungsrate bei wiederverheirateten Familien nochmals um 20 Prozent höher. Viele neigen dazu, die Erst-Ehe zu imitieren, erneut ein geschlossenes System zu bilden. Dadurch werden die außerhalb lebenden, für die Kinder aber relevanten Personen ausgegrenzt. Eine Studie hat gezeigt, dass auf die Frage, wer zur Familie gehört, nur fünf Prozent der getrennt lebenden Mütter den leiblichen Vater ihres Kindes nannten, hingegen aber 55 Prozent der Kinder. Der neue Partner übernimmt möglicherweise viel zu früh die Verantwortung für die Stiefkinder; auch das ist ein Risikofaktor. Wenn es aber gelingt, die Stieffamilie angemessen zu organisieren, kann das ein Gewinn für alle sein. Die Presse: Wie sehen Sie denn die Zukunft der Familie? Schwärzlich oder rosig? Fthenakis: Bis jetzt haben wir uns bei der Stabilität des Familiensystems auf die Eltern-Kind-Beziehung konzentriert. Heute wissen wir, dass das nicht die tragende Säule ist. Diese ist die Qualität der Partnerschaft. Wenn wir mehr Stabilität in die Familien hineinbringen wollen, müssen wir sehr massiv die Qualität der Partnerschaft stützen. Außerdem müssen wir den Familien die Chance geben, das von ihnen erwünschte Modell in die Praxis umzusetzen. Wenn Sie einem egalitären Vater nicht die Chance geben, am Leben der Familie Anteil zu nehmen – es gibt 20 Prozent der Mütter, die das verhindern; es gibt die Wirtschaft, die ihn absorbiert –, dann verschlechtert sich sein Wohlbefinden. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung beklagen sich 37 Prozent der Männer, dass sie Familie und Erwerbstätigkeit nicht vereinbaren können. Eine große amerikanische Studie hat exakt denselben Befund geliefert: 37 Prozent. Also muss auch die Gesellschaft ihren Anteil leisten, wenn sie funktionierende Familien will. Fthenakis: Wir müssen darauf achten, dass wir Räume, Zeit und Ressourcen für die Stabilität der Partnerschaft zur Verfügung stellen. Denn heute ist die Hauptmotivation, eine Partnerschaft einzugehen, nicht mehr das Kind, sondern die Maximierung des individuellen Glücksgefühls. Deshalb haben wir wohl auch den Gipfel der Scheidungsraten noch nicht erreicht. Da werden auch neue Formen der Partnerschaft etabliert werden: In Zukunft wird man nicht immer zusammenleben, sondern eigene Haushalte führen und die Beziehung nur zu Zeiten und an Orten zu pflegen, wo man ein Maximum an Glück erwarten kann. „Living apart together“ ist keine Utopie. Schließt aber Kinder eher... Fthenakis: ...aus, genau. Dieses Modell lässt nicht viel Spielraum für Kinder zu. Parallel beobachten wir, dass die bewusst gewählte Option der Kinderlosigkeit im Steigen begriffen ist. 27 Prozent der jungen Männer und 18 Prozent der jungen Frauen wollen ihre Biografie ohne Kinder gestalten. Aus Die Presse | 10.11.2008 | 10:06 | DORIS KRAUS (Die Presse) |
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