Reif für die Schule

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Spätestens 2010 müssen alle Fünfjährigen für 16 Stunden pro Woche in die Kinderbetreuung - das aber gratis.

Um alle Buben und Mädchen möglichst gut für die Schule vorzubereiten, müssen künftig alle Fünfjährigen in den Kindergarten gehen.

Gestern wurde der entsprechende Beschluss dazu im Ministerrat gefasst. Der Besuch eines Kindergartens wird für Fünfjährige schon ab Herbst 2009 in ganz Österreich gratis sein (in zahlreichen Bundesländern gibt es schon kostenlose Angebote - etwa in der Steiermark oder in Niederösterreich).

Die Kindergarten-Pflicht für Fünfjährige muss bis spätestens 2010 eingeführt werden. Einige Länder wollen die Verpflichtung bereits heuer umsetzen (siehe Grafik). Der Bund stellt den Ländern - in deren Kompetenz die Kindergärten fallen - für die Finanzierung jährlich 70 Millionen Euro zur Verfügung. Mitte Juni wird das Paket im Nationalrat abgesegnet, danach erfolgen noch die Beschlüsse der Länder.

Was ist konkret geplant?

Gratis-Besuch

Ab Herbst ist der Kindergartenbesuch für alle Fünfjährigen in allen Bundesländern für 20 Stunden pro Woche kostenlos.

Pflichtbesuch

Mindestens 16 Stunden pro Woche verteilt auf mindestens vier Tage müssen Fünfjährige im Kindergarten verbringen.

Ausnahmen

Wenn etwa ein Kind sehr weit entfernt von einem Kindergarten wohnt (Bergbauernhof) oder z. B. schwer krank ist, gibt es Ausnahmen vom Pflichtbesuch.
"Jeder Fall muss individuell beurteilt werden", erklärt Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP) im KURIER-Gespräch.

Sanktionen

Über Strafen wird erst debattiert. Im Büro Marek heißt es, dass ein Verstoß mit rund 100 Euro geahndet werden dürfte.

Bildungsplan

Mit Experten des auf Kleinkindforschung spezialisierten Charlotte-Bühler-Instituts wird ein Bildungsplan erarbeitet, der ab 2010 gelten wird. Sinn des Pflichtkindergartens sei es, allen Kindern, "unabhängig von ihrer Herkunft die besten Bildungsmöglichkeiten und Startchancen für das Berufsleben zu geben", sagt Marek. Darunter fielen natürlich auch Kinder mit Migrationshintergrund, deren Anzahl in Wien besonders hoch ist.

Grünen-Chefin Eva Glawischnig befürchtet, dass es durch die Pflicht für die Fünfjährigen zu einem "Verdrängungswettbewerb" mit den Kleineren kommt.

Für Wien, das die Pflicht laut Stadtrat Christian Oxonitsch ab Februar 2010 anpeilt, wird es ab Herbst mehr Personal geben. Aber, so gesteht Oxonitsch: "Dass es Personalengpässe gibt, wenn ganz Österreich beschließt, ein Ausbauprogramm hochzufahren, ist kein Wunder."

Raphaela Keller vom Dachverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen hat ein Rezept, um zu mehr Personal zu kommen. Rund 10.000 Personen seien in Österreich für den Beruf qualifiziert, übten ihn aber nicht aus. Keller: "Man müsste nur sofort die Anfangsgehälter aufstocken."

Artikel vom 12.05.2009 17:07 aus KURIER online | Patricia Haller und Maria Kern