Keine Kindergartenplätze

Kein Platz für Kinder


kindercompany (Picture credit Kurier Online) Noch immer gibt es zu wenige Plätze in Krippen und Kindergärten und gratis sind die Plätze in Wien auch nicht immer.

Die Dame am Infotelefon der Wiener Kindergärten antwortet auf die Frage, ab wann das Kleinkind in die Krippe darf, mit einer Gegenfrage: "Ab wann wollen Sie denn?" Spätestens mit einem Jahr, sonst wird's schwierig im Job. Ab wann kann man sich anmelden? "Gleich nach der Geburt, das Kind braucht natürlich Meldezettel, E-Card und eine Bestätigung des Arbeitgebers, wann Sie wieder arbeiten gehen."

Die Platzgarantie

Gibt es eine Garantie, dass das Kind einen Platz bekommt? "Nein. Am besten, Sie melden sich bei zwei Plätzen an, wenn an einem etwas frei wird, haben Sie gute Chancen." Und wenn nicht? "Dann müssen Sie sich privat umsehen."

kindercompany (credit Kuruier Online)

Wer offiziell anfragt, dem wird beschieden: "Wenn eine Berufstätigkeit der Eltern gegeben ist (mit Arbeitsbestätigung belegt), dann versuchen die städtischen Servicestellen einen Platz zu finden. In Zusammenarbeit mit den privaten Anbietern." Verfügbar ist ein Krippenplatz laut Statistik Austria nur für jedes vierte Kind. Ob bei Gemeinde oder Privaten. Laut Büro des zuständigen Stadtrates Christian Oxonitsch sind es etwas mehr, nämlich 28 Prozent oder 14.171 Plätze in ganz Wien. Privat kommen weitere 6900 Krippenplätze dazu.

Durch die Einführung des einkommensabhängigen Kindergeldes wird ab 2011 die Nachfrage allerdings sprunghaft steigen. Die Stadt kennt das Problem: "Wir legen deshalb den Schwerpunkt auf den Ausbau der Plätze für 0- bis 3-Jährige." Da ist freilich noch viel mehr zu tun" merkt VP-Gemeinderätin Monika Riha, selbst Betreiberin von Kindergärten, kritisch an. Sie behauptet, dass in Wien rund 15.000 Kindergartenplätze fehlen und ebenso die dafür notwendigen 750 Kindergartenpädagoginnen.

Riha kritisiert die Ankündigungspolitik der Stadt: "Vor einem Jahr hat Bürgermeister Häupl den Gratiskindergarten für alle Kinder verkündet." Voll umgesetzt wurde das Versprechen bisher lediglich in Gemeindekindergärten. Die privaten Einrichtungen würden zwar großzügig gefördert, aber ganz gratis seien sie nicht. Zehn Prozent der Kindergärten werden nicht gefördert und heben Beiträge von 200 bis 220 Euro im Monat ein.

Ein Zehn-Punkte-Programm der ÖVP soll Abhilfe bringen: Ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz sowie Ausbildungs- und Neubau-Offensiven werden gefordert. "Die ÖVP weiß sehr gut, dass Wien massiv Kindergartenplätze ausbaut und als einziges Bundesland die Ausbildung für Kindergartenpädagoginnen erweitert hat", weist SP-Gemeinderat Jürgen Wutzlhofer Kritik zurück. Heuer werden 2500 neue Plätze eingerichtet, 495 Personen stehen in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Ausbildung.

Heimischer Nachholbedarf


Auch wenn in Wien im Gegensatz zu den anderen Bundesländern jedes vierte Kind unter 3 Jahren einen Krippenplatz zugestanden bekommt, im internationalen Vergleich ist das herzlich wenig: In Frankreich liegt man bei einem Versorgungsgrad von 43, in Island 55,7 und in Dänemark bei 63 Prozent. Nur Deutschland unterbietet den Österreich-Schnitt von 13,9 Prozent mit 13,6 noch.


Artikel vom 15.03.2010 16:07 | KURIER online | Gerhard Krause, Barbara Mader